Carl Kircheiß

Kapitän zur See

Description:

Carl Kircheiß wurde als Sohn eines Gastwirts und Hoteliers im damals noch eigenständigen Harburg (Elbe) als fünftes von sechs Kindern geboren. In seiner Jugend zog die Familie mehrfach um: 1890 verkaufte der Vater den Gasthof „Zum Schwarzen Roß“ in Harburg und erwarb dafür ein Hotel in Hausbruch an der Cuxhavener Straße. Die Grundschule besuchte Kircheiß von dort aus im Dorf Neugraben, das etwa eine Stunde entfernt lag. Einige Jahre später verkaufte der Vater das Hotel wieder und pachtete die Restauration im Unterelbe-Bahnhof in Harburg, später (1897) ergänzend die Sennhütte auf der Nordseite der Harburger Berge in Hausbruch. So war es den Kindern möglich, das Gymnasium Erste Bürgerschule zu besuchen. Mit 14 Jahren beendete er diese und ging im Sommer 1901 zunächst als Schiffsjunge an Bord der Hamburger Bark Nürnberg, wo er bis 1904 zum Matrosen ausgebildet wurde. Nach einer Fahrt, die von Hamburg über Montevideo und Buenos Aires nach Riga führte, wurde er im Sommer 1902 zum Leichtmatrosen befördert. Von Riga segelte die Nürnberg mit einer Ladung Holz aus Hudiksvall nach Melbourne, mit Ballast weiter nach Newcastle und von dort mit Kohle nach Südamerika.1

In den Folgejahren fuhr er zur See, unter anderem war er im Juli 1907 mit der Eisenrumpfbark Fürst Bismarck bei Kap Hoorn. 1908 legte er nach dem Besuch der Navigationsschule das Patent zum Seesteuermann ab, und zum Jahresende fuhr er bereits als Dritter Offizier auf dem Vollschiff Maipo durch die Le-Maire-Straße nahe Kap Hoorn. 1912 folgte das Kapitänspatent. Damit war der 25-jährige einer der jüngsten Kapitäne in Deutschland. In der Folgezeit fuhr Kircheiß für die Hamburg Südamerikanische Dampfschifffahrts-Gesellschaft (HSDG) als Offizier im Küstendienst vor Argentinien und wurde parallel zum Leutnant der Reserve der Kaiserlichen Marine ausgebildet. Anfang Juli 1914 erlebte er als Zweiter Offizier auf dem Dampfschiff Mendoza der Hamburg-Süd Schiffbruch nahe Kap Punta Mogotes, danach wurde er Ende Juli, unmittelbar vor Ausbruch des Ersten Weltkriegs auf einen anderen Dampfer der Reederei versetzt.

Mit Kriegsausbruch entstand der Entschluss, nach Deutschland zurückzukehren und als Soldat zu dienen. Am 2. August 1914 reiste Kircheiß mit weiteren Reserveoffizieren aus Buenos Aires auf dem italienischen Dampfer Tomaso di Savoia mit falschen Papieren aus und gelangte über Italien nach Deutschland. Dort übernahm er am 30. August 1914 in Wilhelmshaven das Kommando eines kleinen Vorpostenbootes der Nordseevorpostenflotille.2
Seeadler von Christopher Rave (Reproduktion)

Kapitänleutnant Felix Graf von Luckner wählte ihn als Artillerie- und Navigationsoffizier für seinen Hilfskreuzer Seeadler aus. Von Dezember 1916 bis zum Schiffbruch am 2. August 1917 auf einem Riff vor der südpazifischen Insel Mopelia (Gesellschaftsinseln) war er dort Leutnant zur See. Nach dem Schiffbruch segelte er mit Luckner und vier weiteren Seeleuten rund 2.300 sm in einem offenen Boot von sechs Metern Länge durch den Pazifik (Stationen: Atiu, Aitutaki und Gefangennahme auf Wakaya). Er wurde auf der Insel Motuihe im neuseeländischen Hauraki-Golf interniert. Aus der Internierung gelang es Luckner und Kircheiß, am 13. Dezember 1917 mit dem gekaperten Motorboot Pearl des Inselkommandanten zu fliehen. Sie enterten den Schoner Moa, wurden jedoch kurz darauf erneut durch den Dampfer Iris bei der Macauleyinsel gefangen genommen. Es folgte der Rücktransport nach Motuihe und die erneute Internierung. 1919 wurde Kircheiß aus der Gefangenschaft entlassen und kehrte mit der Willochra nach Deutschland zurück. Später war er einer der drei Ghostwriter von Luckners Seeteufel.3

Nach dem Krieg gründete er mit einem Teilhaber aus Bremen einen Tabakgroßhandel. Im Rahmen einer Kur in Bad Wildungen, um seine Kriegsverletzungen zu kurieren, wurde er als Vortragsredner entdeckt. Zahlreiche Vorträge in ganz Deutschland, die für die Verständigung zwischen den ehemaligen Kriegsparteien und die Wiederbelebung der deutschen Seeschifffahrt warben, folgten. Dabei entstand die Idee, die Vorträge weltweit zu halten.

Bio:

Carl Kircheiß

Call of Cthulhu - De Profundis andreasosterroth Ktaeter